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GUITS & GEAR:
In nunmehr fast 30 Jahren gitarristischen Lebens sind natürlich unzählige Gitarren sowohl gitarrespielend, als auch mit Feilen, Bohrmaschinen und anderen völlig ungeeigneten Werkzeugen von mir bearbeitet worden. Einige haben diese Torturen auch erstaunlicherweise überstanden oder hatten das Glück erst nach Beendigung meiner Karriere als Hobbygitarrebauer angeschafft zu werden.
Ich bin grundsätzlich Stratspieler, vermutlich so etwas wie "Prägung", meine erste E-Gitarre war eine japanische Cimar Strat und ich kann mich heute noch an ihren Geruch und das Spielgefühl ihres Maplenecks erinnern. Natürlich habe ich im Laufe der Zeit andere Gitarren kennen- und lieben gelernt, aber das Handling, das Aussehen, der Sound einer Stratocaster repräsentiert für mich noch immer das perfekteste E-Gitarrendesign und die großartigsten Gitarrensounds aller Zeiten.
Meine 74er Stratocaster war eine völlig verbastelte, vernachlässigte Gitarre, an der außer dem Hals nichts mehr original belassen war. Der hat mir aber so gut gefallen, dass ich die Gitarre gekauft hab. Beim Body war die Tremolofräsung verschlossen worden, neu lackiert, Pickupfräsungen erweitert, goldene Hardware, Guss-Hardtail Bridge, zähflüssiges Cola, Bier und sonstige klebrige Substanzen unter der Schlagplatte, kratzende Potis und der 5-Schätze Schalter aus Reispappe, etc...
Mit wirklich tollem Support von Andi Neubauer von Neubauer Guitars wurde die Gitarre wieder soweit wie möglich und sinnvoll (wer will schon mit einem original 70er Guss Vibrato spielen?) in den Originalzustand rückgebaut. Original F-Tuner, Vibrato ist von Callaham, (das beste derzeit erhältliche Vintage Trem) Ein Kinman Blues Set. Und siehe da: ich hatte Glück, die Lady klingt wieder sensationell.
Die schwarze 76er Strat klingt etwas dunkler, kehliger und weniger knallig als Lady Luck. und hat ein originales Fender Vibrato mit einen Callaham Sustainblock. 3 Suhr Fletcher-Landau Pickups, sehr balanciert und fett klingende Singlecoils, die etwas mehr Mitten als Vintage Singlecoils haben. Dazu das Suhr BPSSC "Backplate Silent Single Coil" System. Kann ich uneingeschränkt empfehlen, massive Brummreduktion ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Teuer aber gut...
Seit 15 Jahren ständige Begleiterin und eine richtige Custom Gitarre, die nach meinen Vorstellungen damals gebaut wurde: Meine Neubauer
Lady One: einteiliger leichter Ahornkorpus, ein bomben-solider, brillianter Ton, seidig und mit dem richtigen Schuss Wärme in den Höhen, stramm und drahtig in den Bässen, ausgewogen übers gesamte Griffbrett. Eine sehr gute Allround Gitarre mit eigenem Charakter. Ein Seymour Duncan "Jazz" am Hals und ein "Jeff Beck" SH4 am Steg bilden eine variantenreiche Kombi.
Zwei besondere Schätze sind meine Fender Master Series Gitarren , eine Esprit Standard und eine Esprit Ultra. Fantastische Gitarren,
die Fender in den 80ern nach Dan Smiths Entwürfen in Japan von der Fujigen Gakki
Company (die auch die Ibanez Gitarren fertigte) herstellen ließ. Aus einer Zeit, als den Fender Verantwortlichen die Tränen kamen, wenn sie die Qualität der Japan Gitarren mit ihren USA Modellen verglichen.
Das kann man gut verstehen: Beide sind wunderschöne, perfekt gefertigte und klingende Gitarren, deren einzige Schwachpunkte die Schaller Pickups und Bridge waren. Aber das läßt sich mit ein wenig Bastelarbeit ändern (Achtung Vintagejäger und Sammler: das ist unumkehrbar...) Durch ihr eigenes Konzept mit Ahorn/Erle Body (Fichte/Erle bei der Ultra) und Soundkammern ist sie perkussiver, akustischer als eine Les Paul, hat einerseits diesen singenden, sustainreichen Ton einer Paula, andererseits den drahtigen, gut artikulierbaren nuancenreichen Sound einer Fender. Schade, dass Fender dieses Konzept nicht weiterverfolgt hat...

Für den klassischen Bebop Sound mit Flatwounds bespannt, habe ich eine 1970 Gibson ES 175. In meiner Jugend lange Zeit meine einzige Gitarre. Ein traumhaftes, in tausenden Übungs- und Bühnenstunden gut eingespieltes Instrument, das einfach über jeden Amp gut klingt. Aber auch die Les Paul Pro mit ihren P90 hat außer rotzig-dreckigem Rock 'n Roll auch einen schönen, fetten Jazz-sound parat (zu hören zb. auf: Roxanne oder How Insensitive ).
AMPS:
Ich bin bekennender Marshall Fan. Dieser tighte, dynamische, mittig-saftige Bratsound, mit ein paar guten Singles oder Humbuckern und vielleicht noch einem Tubescreamer oder einem Fuzzface davor, über eine 4x12er, jagt auch mir die Glückshormone durch's Rückgrat.
Aber im Prinzip liebe ich alles was Röhren hat, alt ist und danach riecht ;-)
Mein meistbenutzter Live-Amp für alles was mit Rock- anfängt oder aufhört ist ein Marshall 30th Anniversary 6100 über eine 70er Marshall 4x12er Box mit alten Greenbacks. (Für kleinere Clubgigs habe ich eine 2x12er mit Celestion G12-65 oder eine 6912 1x12 Box .) Einer der vielseitigsten Marshalls, der die gesamte Palette an klassischen Marshall Sounds bravourös (und wenn's unbedingt sein muss auch in kleineren Lautstärken;-) beherrscht, aber auch clean wirklich gut klingt. Super Plus ist der klangneutrale, parallele Einschleifweg.
Ich nutze grundsätzlich die Amp-Verzerrung, als Booster und zusätzliche Farbgeber fungieren meine diversen Overdrives. Die Boards waren früher in einem kleinen Rack und wurden über einen Rocktron Looper und einen Bradshaw Switcher geschaltet. Das ist natürlich sehr variabel, weil alles programmierbar, aber auch einzeln schaltbar ist. Ansonsten war im Rack nur noch ein Quadraverb für ein wenig Hall und Delay.
Aber auch bei mir sind die Zeiten der komplizierten Racksysteme schon längst vorbei und meine Effektboards in ein Bodencase gewandert. Ich schätze vor allem immer mehr die Farben verschiedener Overdrives, und natürlich mag ich auch die alten Klassiker oder Zeug das so klingt: Tremolo, Univibe, Fuzzface, Tubescreamer etc...Meine Lieblinge im Bodencase schon seit längerem: Captain Coconut 2, ein Okko Diablo, ein Marshall Bluesbreaker und ein Arion SCH 1 Chorus.

Eine extra Klasse für sich, vor allem im Studio, ist mein 73er JMP Super Lead 100. Der Druck und die Lautstärke die dieses Monster erzeugt, ist gewaltig. Viele Gitarristen halten die frühen "Metalface" Marshalls für die besten Marshalls überhaupt. Das kann ich gut nachvollziehen, der Sound ist wirklich gigantisch: direkt, rauh, im Treble Kanal sehr aggressiv und mittig, mit gebrückten Channels ein ausgewogener, mächtiger Sound. Die Lautstärke, die entsteht, wenn der Treble Kanal verzerren soll, ist allerdings auch gigantisch und verleitet mich immer wieder dazu, an ein Mastervolume-Einbau zu denken. (auch aus Angst meine wertvollen Greenbacks zu zerstören, Super Leads aus dieser Zeit liefern oft 100 Watt bevor! die Endstufe anfängt zu zerren, voll aufgedreht sind 150W keine Seltenheit. Dieses Exemplar liefert gemessene 153W)
Warum der 20 Watt schwache Fender Deluxe Reverb zur Legende geworden ist, weiß man spätestens, wenn man einen gut erhaltenen Blackface neben irgend einen anderen vergleichbaren "jetzigen" Amp stellt . Detailreichtum, Feinzeichnung, Projektion, Wärme und Natürlichkeit stellen ziemlich alles, was Fender und Mitbewerber derzeit produzieren in den Schatten. Vor allem mit Humbucker Gitarren, aber auch mit der Les Paul Pro ein phantastischer Sound. Auf der Bühne leider, außer für leisen Trio-Jazz, oft zu schwach. Der Vibrolux Reverb bietet etwas mehr Headroom, hat schaltungstechnisch faktisch die gleiche Vorstufe, aber eine 40 Watt 6L6 Endstufe. Durch die 2x10" Bestückung klingt er etwas schlanker und mittiger als der Deluxe. Der kleinste in der Reihe: mein Fender Champ. 5 Watt Class A Eintakt-Endstufe, ironischerweise mit einem alten 10" Gibson Alnico-Speaker, das klingt so richtig dreckig - für bestimmte Sounds im Studio genau das Richtige.
Und noch ein Schachzug im Kampf gegen den schlechten Sound
und den Transistor (und ein großer Schritt in Richtung Bandscheibenvorfall):
Ein Kitty Hawk Standard 100W Combo:
Außerhalb Mitteleuropas kaum bekannt, in Amerika hat Kitty Hawk vor allem wegen ihrer späteren Schrottmodelle einen eher katastrophalen Ruf (Stichwort "Shitty Hawk"). Trotzdem ist in den letzten Jahren eine ordentliche Hype um diese Amps entstanden, weil sich herumgesprochen hat, dass die Standards von Aufbau und Sound dem Dumble Overdrive sehr ähnlich sind. Auf Ebay werden satte Preise bezahlt, auch weil die Originalmodelle schon recht selten geworden sind und die Preise für einen echten Dumble die Obszönitätsgrenze längst überschritten haben. Der Standard entspricht vom Layout einem Dumble Overdrive mit den hintereinander geschalteten Gainstufen und Voicing Schaltern im Overdrive Kanal. Fett und dynamisch, bei Bedarf unglaublich laut und kann vor allem leicht angezerrte Sounds wirklich bravourös.

Kitty Hawk Junior 50W:
ein wenig schärfer, drahtiger als der Standard, vom Aufbau sehr ähnlich dem Boogie Mk I, extrem dynamisch und mit diesem saftigen Schmatzen, wenn er zu zerren beginnt...aber auch mit einem guten, ausgewogenen Cleansound.

Warum Pete Townshend taub ist, läßt sich auch schon mit einem Hiwatt Custom 50 Watt Top recht schnell ergründen: er wollte die Dinger zum zerren bringen. Das funktioniert kurz vor Rechtsanschlag, da ergibt sich im Verbund mit den schon gut eingeschwungenen Fane Speakern der 4x12er ein unglaublich fetter, mittiger Bratsound, der süchtig macht, allerdings auch den Putz von der Proberaum Decke rieseln läßt. Wie muß das erst mit ein paar 100er Tops und frischen Speakern geklungen haben? Und wer zum ersten mal in einen Hiwatt hinein schaut, weiß anschließend was akurate
Handarbeit bedeutet und warum der Amp in 100 Jahren vermutlich noch immer läuft...

Acoustic gehört zu den, sehr zu Unrecht unterschätzten Röhrenamps, obwohl in den 80ern gar nicht so selten anzutreffen. Der G60T hat einen sehr schönen, fendermäßigen Cleansound mit glasigen Höhen und kräftigen Bässen, eine sehr effiziente Klangregelung und einen schönen cremigen Dumble Overdrivesound, der dem Carlton/Ford Ton zb. näher kommt als beispielsweise der Kitty Hawk Standard. Sehr weich, singend und harmonisch, mit bei Bedarf wirklich fetten Bässen. Ich habe ein vollkommen originales Exemplar mit passender, sehr seltener 2x12 Box, Fußschalter und sogar einem farblich passendem Gitarrenkabel ;-)
Der "Exot" in meiner kleinen Sammlung: ein Simms Watts A.P.200
John Entwistle hat diese Teile eine Zeit lang endorsed. Bj. ca. 1969-70. Ein Monster, gigantische Trafos, 4 KT 88 liefern 200W unverzerrten Ton, in Ermangelung derart mächtiger Boxen hab ich das allerdings nicht überprüft. Dickes, orangefarbenes Plexi in bestechender 70er Optik, herrlich. Und damit das auch jeder weiß, steht "Super" drauf...
Inzwischen hat er seine wahre Bestimmung bei einem Bassisten gefunden und sorgt dort für mächtig donnernde Grooves.

Die "inneren Werte" sind ebenso hochwertig wie bei Hiwatts der damaligen Zeit: fein säuberlich rechtwinkelig handverdrahtet, Mustard Caps, alles unverbastelt und jungfräulich sauber, als ob der Amp erst gestern gelötet wurde. Auch gebaut für die Ewigkeit...

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